Sophie

Vor einiger Zeit ging in sozialen Netzwerken ein Video rum, in dem kleine Jungs (so 6 – 10 Jahre alt) jeder jeweils einzeln vor ein Mädchen gestellt werden und Anweisungen bekommen, was sie mit ihr machen sollen. Sie sollen ihr ein Kompliment machen und solche Dinge. Am Schluss sollen sie das Mädchen schlagen. Jeder der Jungs sagt vehement nein und weigert sich, das Mädchen zu schlagen. An sich finde ich es echt gut, dass die Jungs sich so einer Anweisung eines Erwachsenen einfach widersetzen. Die Jungs werden dann gefragt, wieso sie die Anweisung nicht befolgen und die Antwort lautete jedes Mal: “Weil man keine Mädchen schlägt, egal was passiert.” Das ist ja eigentlich total löblich, aber trotzdem macht es mich irgendwie wütend. Der Grundkonsens ist ja eigentlich: Man schlägt keine Mädchen, weil die sind schwächer. Wieso bringt man Jungs nicht bei, dass man generell keine anderen Menschen schlägt, egal welches Geschlecht? So sollte es doch eigentlich sein. Das Video war Teil einer Kampagne gegen häusliche Gewalt, also grundsätzlich ja wirklich gut gemeint. Aber wieder einmal werden Frauen als das schwächere Geschlecht dargestellt, das man nicht schlägt, weil Frauen ja generell schwächer seien als Männer. Gewalt finde ich grundsätzlich nur (und wirklich ausschließlich!!) in Notwehrsituationen angebracht. Keine andere Situation rechtfertigt Gewalt, egal ob gegen Frauen oder Männer. Liebe Männer: Es ist toll, wenn ihr keine Frauen schlagt. Aber schlagt doch einfach bitte gar keinen, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Danke.

Lene

Mit 17 hatte ich meinen ersten “richtigen” Freund und ich war auch sehr verliebt in ihn. Wir gingen in die gleiche Schule in Parallelklassen und haben dementsprechend meist die gleichen Klausuren geschrieben. Nun hatte ich immer sehr gute Noten und er eher durchschnittliche bis schlechte. Ich fand das nicht schlimm und hätte ihm vielleicht auch gerne mit dem einen oder anderen Thema geholfen, aber ich hab mich nicht mal getraut, das vorzuschlagen, weil das für ihn ein wunder Punkt zu sein schien. Im Laufe von 3 Monaten wurde es allerdings immer schlimmer. Jedes Mal, wenn ich irgendwo eine bessere Note hatte, hat er für 1-4 Tage nicht mehr mit mir gesprochen, egal, in welcher Situation. Ob wir in der Schule zusammen in der Mensa saßen oder abends noch mit Freunden unterwegs waren, er hat mich komplett ignoriert, als wäre ich Luft. Ich hab versucht, mit ihm darüber zu reden, aber auch da hat er einfach nicht reagiert und an mir vorbeigestarrt mit einem unheimlich wütenden Gesichtsausdruck. Das gleiche ist auch passiert an dem Tag, als wir ein halbes Jahr zusammen waren. Wir wollten uns abends eigentlich treffen und ins Kino, alles schon geplant. Er hat dann aber einfach kein Wort mehr gesprochen und stand stumm wie ein Fisch und schlechtgelaunt neben mir. Da bin ich zum ersten Mal richtig wütend geworden und hab gesagt, dass er sich bescheuert verhält. Daraufhin hat er mich ins Gesicht geschlagen und hat sich umgedreht und immer noch nichts gesagt. Mein Vater meinte zu der Geschichte nur, ich wäre ihm wohl “auf den Sack gegangen” und eine Freundin von mir hat ernsthaft vorgeschlagen, ich sollte doch einfach absichtlich schlechtere Noten schreiben, damit er sich besser (sprich überlegen) fühlt.

name

Mein Mitbewohner meinte, wenn Hillary Clinton Präsidentin wird, wären die USA verloren, denn “was macht die, wenn sie ihre Tage bekommt? Die kann doch keinen vernünftigen Entschluss mehr fassen, so wie Frauen dann auf Hormonen sind.” Ein paar Tage später habe ich einen Tumblr-Post gefunden, der das Thema wunderbar parodiert (frei übersetzt): “Was macht Obama, wenn er einen Ständer bekommt? Kann er dann auch nicht mehr arbeiten? Oder wenn sich der Präsident in eine seine Mitarbeiterinnen verliebt (Bill Clinton!). Männer können oft ja gar nicht anders, denn “boys will be Boys”. Oder was passiert, wenn er einen Tritt zwischen die Beine bekommt. Ich hab gehört, das soll schlimmer sein als Menstruationskrämpfe.”

lilli

Auf der Ersti-feier, die studiengangintern stattfand, stand ich mit einigen neuen Bekanntschaften – männliche und weibliche – tanzend und redend im Kreis. Einer meiner neuen Kommilitonen holte seine Geldbörse aus meiner Tasche und dabei fiel ein Geldstück auf den Boden. Freundlich wie ich bin, hob ich es auf und wollte es ihm gerade zurückgeben, da meinte er “Jaaaa bück dich!”. Ich bin wie versteinert stehen geblieben, hab ihn gefragt, was er gerade gesagt hat, und er meinte nochmal “Bück dich! Ich mag es, wenn du dich bückst!” Normalerweise bin ich nicht so spontan und schnell mit guten Antworten, mein Part ist immer eher ein irritiertes Kichern und Ignorieren, aber ich bin saustolz auf mich, denn ich habe das Geldstück fallen lassen und gesagt “Bück dich selber.” Ein weiteres Mal meinte er, wir sollten doch miteinander shoppen gehen, für ihn einen Anzug und für mich einen Bikini. Ich dachte, bei ihm hackt es, er erklärte weiterhin, warum es doch wohl angebracht sei, im Winter statt im Sommer einen Bikini zu kaufen. Ich hatte keine Lust auf sein Gelaber und sagte das, was mir gerade durch den Kopf ging: “Oh nee, dann muss ich mir ja erst die Beine rasieren. Da hab ich keine Lust drauf.” Er hat ein Gesicht gezogen wie ein Fisch auf dem Trockenen.

Nina

Ich suche deutsche Frauen, die eine Geschichte zu erzählen haben, in denen sie in der Vergangenheit beurteilt wurden. Für mein neues Projekt werde ich Frauen in Deutschland und vielleicht auch deutsche Frauen in England filmen. Bitte kontaktieren unter nina.kastner@barcroftmedia.com.

Rebecca

Ich arbeite als Flugbegleiter und werde oft mit den Augen ausgezogen oder objektisiert und als Sexfantasie benutzt. Bis jetzt die schlimmste Erfahrung war ein Mann, der Bilder von mir gemacht hat während des Services und sie auch nach klaren un wieerholten Erfahrungebn nicht gelöscht hat. Meine Kollegen reagierten nur mit “Sei doch froh, nimms als Kompliment, von mir will keiner mehr Fotos machen”; von meinem Vater gabs ein “So ist das nun mal als hübsche Frau.” Als ich einen Polizisten fragte,sagte er, mqan könne nichts machen.

anonyma

Mein Fahrlehrer hat mir während einer Überlandfahrt, d.h. wir waren weiter als sonst von der Fahrschule entfernt, genüsslich und en detail berichtet, wie er mit seiner Freundin in der Ostsee baden gegangen ist und sie, die Freundin so süß und niedlich gequiekt habe, als das kalte Wasser ihren Schritt erreicht habe. Sein Blick wanderte dabei immer wieder zu mir herüber, als sollte ich mich dazu verhalten. Das war die Spitze der Anzüglichkeiten. Danach habe ich die Fahrschule gewechselt :).

André

Als Redakteur bei verschiedenen Zeitungen und Magazinen werde ich bei Themensitzungen immer wieder Zeuge der Forderung “Wir brauchen noch ein weibliches Thema”, wobei “weibliches Thema” in der Regel nur bedeutet, einen Grund zu finden, ein weiteres Foto mit einer attraktiven, möglichst jungen Frau ins Blatt aufzunehmen. Dieses “journalistische” Prinzip begegnet mir oft, es scheint ein ungeschriebnes Gesetz der Branche zu sein, dessen Ursprung niemand mehr kennt, und das niemand sich zu hinterfragen traut.

Kimberly

In der Großstadt ist man leider oft gezwungen, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen. Erlebe immer wieder die ekelhaftesten Situationen in den Öfis. Hier eine davon.. Freitagabend im Sommer, ich stehe an der Haltestelle, will auf eine Party, werde von einem Kerl beobachtet, der mein Vater sein könnte. Kommt in meine Nähe und fragt mich mit zitternder leiser Stimme ob ich eine Zigarette will. Ich sage, dass ich nicht rauche. Er steht weiter neben mir und glotzt mir in den Ausschnitt. Ich entferne mich. Er kommt wieder heimlich von der Seite und sagt mir dass es ein sehr heisser Tag ist. Ich sage nichts und gucke weg, er geht an mir vorbei und glotzt mir ekelerregend auf die Beine. Als die S-Bahn kam, bin ich sofort eingestiegen – sie war leider das leer, da es schon halb eins in der Nacht war. Ich war froh, dass er nicht eingestiegen ist und konnte ihn vom Fenster aus sehen. Als die Türen zugingen, ist er zu mir ans Fenster gelaufen, hat seinen Penis aus der Hose geholt und vor mir am Fenster onaniert. Das ging so schnell, dass ich in dem Augenblick absolut perplex war. Leider dauert das immer etwas bis die S-Bahn abfährt, wenn die Türen zu sind, also hatte er noch Zeit sich zu befriedigen und das direkt an meiner Fensterscheibe. Ich wusste wirklich nicht, was ich in dieser Situation machen sollte, habe es meinen Freundinnen auf der Party erzählt, die sich schlappgelacht haben. Ich fand das nicht komisch, sondern nur widerlich.

Hauab

Es kostet mich ein wenig Überwindung hier zu schreiben, weil das Verhalten, das ich gleich beschreiben werde, sich in einer Grauzone befindet, die mich verunsichert. Zugleich ist das aber auch meine Motivation zu schreiben. Denn wenn das Verhalten eines anderen Menschen mich so sehr verunsichert, dann scheint da etwas nicht in Ordnung zu sein. Und hier darüber zu berichten, ist ein Anfang, mich dagegen zu wehren, denn auch das ist schwierig, wie ihr gleich sehen werdet. Ich sitze im Vorraum einer Bibliothek in einer Sesselgruppe. Irgendwann kommt ein Mann und fragt, ob ein Sessel noch frei wäre. Er setzte sich, aß ein Brot und war etwas unruhig, ließ seinen Blick schweifen und wirkte ein bißchen so, als wollte er Kontakt aufnehmen. Da ich keine Lust auf Kontakt habe, habe ich es ignoriert. Ein oder zwei Tage später kommt dieser Mann in die Bibliothek und setzt sich neben mich, breitet sich aus, so dass auch ein aufgeschlagenes Buch teils auf meinen Tisch zu liegen kommt. Ich bin irritiert, versuche es aber zu ignorieren und sage, als er fragt, das es natürlich kein Problem sei. Ich versuche weiter zu arbeiten, merke aber immer wieder, dass er zu mir hinüber guckt und sehr aufmerksam ist, als ich mich mit einer Bekannten, die hinter mir saß, verabredete. Diese Bekannte sprach mich dann darauf auch an. Insofern habe ich zumindest eine Augenzeugin, die meine Beobachtung zu jenem Zeitpunkt bestätigt. Als er irgendwann geht, verabschiedet er sich von mir. Zwei Tage später, ich habe so eine Art Stammplatz in der Bibliothek, kommt er wieder und setzt sich schräg vor mich – ich vermute, er hätte sich neben mich gesetzt, wäre da frei gewesen – und verhält sich so auffällig, wie beim letzten Mal. Wenn er aufsteht, scheint es mir, dass er versucht, Augenkontakt zu bekommen. Ich versuche, es zu ignorieren und schaue in meine Bücher und schreibe. Zuletzt stand er auf, und wollte offenbar losgehen, ging aber nochmal an meiner Tischreihe vorbei, so dass er schräg hinter mir war (es gibt da nicht mehr viel, außer einer Bücherwand und einen Überblick über den Rest des Bibliotheksaal – wir sitzen auf einer Art Empore). Es war unangenehm, weil ich nicht genau wusste, wo er stand (direkt hinter mir oder weiter weg), es aber auch nicht überprüfen wollte, weil ich ansonsten mit ihm vermutlich Augenkontakt gehabt hätte. Es ist verhext, denn natürlich könnte es auch sein, dass er etwas völlig anderes im Sinn hatte, als mich zu verunsichern. Nun, ich habe mich weggesetzt, so dass mich er von seinem Platz nicht sieht (und ich ihn nicht) und hoffe einfach, dass ich mich geirrt habe. Zugleich ärgere ich mich, dass ich vermutlich wegen eines blöden W****ers meinen Platz wechsle. Und ich frage mich, wie frau so eine Situation lösen kann, ohne sich zurückzuziehen.